Gesundheitliche Folgen von Nachtschicht und Wechselschicht
Nicht jeder Mensch reagiert gleich empfindlich auf Schichtarbeit. Alter, chronische Vorerkrankungen, familiäre Verpflichtungen und die individuelle Schlafqualität spielen eine Rolle. Dennoch zeigen zahlreiche Studien, dass Nacht- und Wechselschicht langfristig mit bestimmten Gesundheitsrisiken verbunden sein können.
Kurzfristig machen sich die Belastungen häufig durch Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und eine erhöhte Fehleranfälligkeit bemerkbar. Langfristig können chronische Schlafstörungen entstehen. Wer dauerhaft zu wenig oder schlecht schläft, hat ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder koronare Herzkrankheit. Auch Stoffwechselveränderungen werden beobachtet. Unregelmäßige Essenszeiten und hormonelle Verschiebungen können Übergewicht und Typ-2-Diabetes begünstigen.
Darüber hinaus kann Schichtarbeit die psychische Gesundheit beeinflussen. Wenn soziale Kontakte leiden, Freizeitaktivitäten seltener werden und Erschöpfung zum Dauerzustand wird, steigt die Gefahr für depressive Verstimmungen oder Angststörungen. Auch ein möglicher Zusammenhang zwischen langjähriger Nachtarbeit und einem erhöhten Krebsrisiko wird wissenschaftlich diskutiert.
„Meta-Analysen zeigen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Schlafstörungen (Insomnie), Depressionen sowie für bestimmte Krebsarten (Brust- und Prostatakrebs) meist moderat erhöht ist“, erläutert die Expertin. „Die verschiedenen Studien zu den einzelnen Erkrankungen sind aber eher heterogen.“
Wichtig ist: Ein erhöhtes Risiko bedeutet nicht, dass eine Erkrankung unausweichlich ist. Prävention und bewusste Selbstfürsorge können entscheidend gegensteuern.
In der Leitlinie „Gesundheitliche Aspekte und Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit“ der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin wurde die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zu gesundheitlichen Auswirkungen von Nacht- und Schichtarbeit umfassend ausgewertet, zusammengefasst und verständlich aufbereitet.