Auszeit für Leib und Seele: So etablieren Sie eine gesunde Pausenkultur

Redaktion
Oleksandra Silik

Erfolgreiche Arbeit braucht Erholung – und die beginnt mit der richtigen Pause. In der Praxis ist es jedoch eine Herausforderung, sicherzustellen, dass alle eine angemessene Auszeit nehmen. Wir erklären Ihnen, warum Pausen unverzichtbar sind, wie sie sinnvoll gestaltet werden und wie Führungskräfte für ein gesundes Pausenmanagement im Betrieb sorgen können.

Im Arbeitsalltag wird oft Vollgas gegeben – ob durch Termindruck, körperlich fordernde Aufgaben oder große Verantwortung. Doch wer viel leistet, muss sich auch regelmäßig erholen. Pausen sind keine verlorene Zeit, sondern ein wichtiger Beitrag zur Leistungsfähigkeit. Sie schützen vor Überlastung, steigern die Konzentration und fördern das Teamgefühl. Nicht zuletzt tragen sie maßgeblich zur Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei.

Gesunde Pausen gegen Stress: Warum eine positive Pausenkultur so wichtig ist

Wer ohne Unterbrechung durcharbeitet, tut weder sich noch dem Betrieb einen Gefallen. Denn: Der Körper reagiert auf dauerhafte Belastung mit Stress und schüttet vermehrt Cortisol und Adrenalin aus. Diese Stresshormone mobilisieren zwar kurzfristig Energiereserven, unterdrücken Entzündungsreaktionen und halten den Körper vorübergehend leistungsfähig. Doch auf Dauer richten sie erheblichen Schaden an.

Regelmäßige Auszeiten im Arbeitsalltag senken den Cortisolspiegel und tragen langfristig zur Gesunderhaltung bei. „Unser Körper ist darauf ausgelegt, Phasen intensiver Aktivität mit Phasen der Erholung abzuwechseln“, erklärt Lena Pilz, Coach, Unternehmensberaterin und Geschäftsführerin von TEAM CONNEX (Personal- und Organisationsentwicklung). „Ohne die Balance zwischen Anspannung und Entspannung überstrapazieren wir unser System, was zu Symptomen wie Schlaflosigkeit, Magenbeschwerden, Augenzucken, Tinnitus, Herz-Kreislauf-Problemen oder auch Gewichtsschwankungen führen kann.“

Wer denkt, dass Kurzpausen die Arbeitsleistung schmälern, liegt daneben. Von wegen: Sie sind laut Lena Pilz "eine Investition in die eigene Leistungsfähigkeit“. Zeit zum Durchatmen ermöglicht, anschließend konzentrierter und kreativer zu arbeiten – ein Prinzip, das besonders in körperlich fordernden Berufen wie dem Handwerk gilt.

In der Freizeit krank

Kennen Sie das? Kaum fährt der Körper im Urlaub oder am Wochenende herunter, liegt man plötzlich mit Kopfschmerzen oder völlig erschöpft flach: Das ist ein Phänomen namens Leisure Sickness, auch bekannt als Freizeit- oder Wochenendkrankheit. Laut einer aktuellen Studie der IU Internationalen Hochschule aus dem Jahr 2025 betrifft das 71,9 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland, wobei es fast jeder Fünfte (19,3 Prozent) sogar häufig oder immer erlebt.

Typisch für die sogenannte Leisure Sickness sind Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen oder Erkältungssymptome. Diese treten ausgerechnet dann auf, wenn Erholung angesagt ist. Die Ursachen sind oft hohe Arbeitsbelastung, Überstunden, ständige Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit und fehlende Erholung. Sobald der Körper zur Ruhe kommt, fällt der Pegel an Stresshormonen rapide ab – was die Symptome auslösen kann.

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Pausenmanagement im Handwerk: Tipps für Führungskräfte

Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigt: Fast ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland erlebt regelmäßig Ausfälle von Arbeitspausen. Die Folgen sind deutlich spürbar: Beschäftigte ohne ausreichende Pausen leiden häufiger unter Schlafstörungen, körperlicher Erschöpfung und Unzufriedenheit im Job. So halten regelmäßige Pausen das Team nachweislich gesünder. Die Motivation steigt, während das Risiko für krankheitsbedingte Fehltage und Arbeitsunfälle sinkt.

Führungskräfte als Vorbild

Ein gutes Pausenmanagement braucht eine realistische Planung, die Pausen zulässt: weniger Zeitdruck, weniger Multitasking, weniger Überstunden. Führungskräfte haben dabei eine Vorbildfunktion, hebt Lena Pilz hervor: „Der Stress der Führungskräfte färbt oft direkt auf das Team ab. Wer selbst auf Pausen achtet und sie einhält, signalisiert dem Team, dass diese wichtig und akzeptiert sind.“ Es lohnt sich außerdem, im Team gemeinsam zu besprechen, wie Pausen gestaltet werden können, damit sie für alle erholsam und sinnvoll sind.

In Deutschland sind Pausen sowohl für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch für Beschäftigte verpflichtend. Sie sind im Arbeitszeitgesetz (§ 4 ArbZG) geregelt:

- Bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden: mindestens 30 Minuten Pause.
- Bei einer Arbeitszeit von mehr als 9 Stunden: mindestens 45 Minuten Pause.

Die Pause kann in Zeitblöcke von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden.

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Flexible Pausenzeiten ermöglichen

Viele Betriebe arbeiten mit festen Pausenzeiten. Doch im Handwerk kann eine Pause nicht immer „auf Knopfdruck“ erfolgen. Mal muss eine Betonlieferung sofort verarbeitet werden, mal macht Regen die Baustelle unzugänglich. Auch Kundentermine oder unvorhergesehene technische Probleme können feste Pausenpläne schnell aushebeln. Deshalb empfiehlt es sich, Zeitfenster für Kurzpausen zu definieren. So können Beschäftigte flexibel selbst entscheiden, wann der richtige Moment ist.

Wer körperlich hart arbeitet, sollte etwa  jede Stunde fünf Minuten pausieren. Bei geistig fordernden Aufgaben helfen zehn Minuten Pause nach zwei Stunden, um konzentriert zu bleiben – und die nötige Erholung nicht zu kurz kommen zu lassen.

Störungsfreie Zeiten einführen

Neben Pausen ist es ebenso wichtig, gezielt Zeit für ungestörtes Arbeiten einzuführen. „Multitasking und ständige Unterbrechungen erhöhen den Stresspegel erheblich. Wenn Führungskräfte solche störungsfreien Zeiten ermöglichen und selbst nutzen, profitieren alle davon“, betont Lena Pilz. „In Handwerksbetrieben, wo oft abends noch viel nachgearbeitet wird, könnte man überlegen, wie man die Erreichbarkeit besser regeln kann. Zum Beispiel könnte man Anrufe während der Pausen auf eine Person umleiten, sodass nicht alle ständig erreichbar sein müssen.“

Workshops zum Thema Zeitmanagement bieten zusätzliche Unterstützung. Sie helfen dabei, den Arbeitstag sinnvoll zu strukturieren, Prioritäten zu setzen und Pausen bewusst einzuplanen – und vor allem, sie auch einzuhalten.

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Ziel des BGM ist es, die Belastungen der Beschäftigten zu reduzieren und deren persönliche Ressourcen zu fördern.

Pausengestaltung: Diese Maßnahmen können Sie etablieren

Eine gute Pausenkultur ist mehr als das Einhalten gesetzlicher Vorgaben. Sie schafft Rahmenbedingungen, die echte Erholung ermöglichen – körperlich wie mental. Folgende Maßnahmen helfen dabei:

Regelmäßige Pausen durch Rituale fördern

Pausen wirken am besten, wenn sie bewusst gestaltet werden. Kleine Rituale wie ein Spaziergang oder eine Tasse Tee helfen, die Grenze zwischen Arbeit und Pause klar zu setzen. „Solche Rituale signalisieren dem Körper, dass jetzt eine andere Phase beginnt“, empfiehlt Expertin Pilz.

Auch klare Regeln können unterstützen: „Eine gute Pause beginnt damit, dass ich sage, ich fokussiere mich auf eine Sache, ohne nebenbei in das Handy zu schauen, E-Mails zu lesen oder irgendwas Geschäftliches zu besprechen. In meinem Team wird es beispielsweise so geregelt, dass jeder, der in der Pause über die Arbeit spricht, einen kleinen Betrag in die Gemeinschaftskasse zahlen muss. Am Ende gönnen wir uns von dem Geld etwas Schönes – das motiviert, die Regel einzuhalten.“

Rückzugsorte schaffen

Ein eigener Pausenraum fernab von Werkbank oder Baustelle erleichtert es, abzuschalten und neue Energie zu tanken. Helle Räume mit bequemen Sitzgelegenheiten, Tischen und vielleicht einer Kaffeeecke oder Terrasse schaffen eine klare Trennung vom Arbeitsalltag. Solche Orte fördern Erholung und sozialen Austausch und stärken das Miteinander.

Bewegung in der Pause integrieren

Gerade im Handwerk ist Bewegung oft einseitig. Ein Spaziergang um das Gebäude oder ein kurzes Dehn-Programm können Verspannungen lösen und die Durchblutung fördern.

Entspannung ermöglichen

Doch nicht jede Pause im Handwerk muss aktiv sein – entscheidend ist der Ausgleich zur vorherigen Tätigkeit. Wer viel sitzt, sollte sich idealerweise etwas bewegen. Wer körperlich viel leistet, sollte sich ausruhen. Wer überwiegend allein arbeitet, profitiert vom Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, während Menschen mit viel Kundenkontakt Ruhephasen brauchen.

Atemübungen aus dem Yoga-Bereich unterstützen laut Pilz dabei, Stress ganz ohne großen Aufwand abzubauen: „Schon fünf bewusste Atemzüge, vier- bis fünfmal am Tag, können helfen, das System zu entspannen.“ Außerdem empfiehlt die Expertin Methoden, wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, die sich besonders gut für eine schnelle und effektive Regeneration eignet.

Muskelentspannung nach Jacobson

Die Progressive Muskelentspannung (PME) basiert auf der Idee, dass sich Körper und Geist durch gezieltes An- und Entspannen der Muskeln beruhigen lassen. Dadurch verbessert sich die Durchblutung, der Blutdruck sinkt und das allgemeine Wohlbefinden steigt.

Typischer Ablauf: Setzen Sie sich bequem hin, schließen Sie die Augen und atmen Sie tief durch. Ballen Sie die Hände zu Fäusten, halten Sie kurz die Spannung und lassen Sie wieder locker. Wiederholen Sie das Prinzip mit Gesicht, Schultern, Nacken, Bauch und Beinen: anspannen, halten, loslassen.

Soziale Interaktion fördern

Pausen bieten wertvolle soziale Momente. Ein kurzer Austausch bei Kaffee oder Tee stärkt das Betriebsklima und reduziert Spannungen. Führungskräfte können Vorbilder sein, indem sie die Mittagspause nutzen, um in lockerer Atmosphäre mit einzelnen Kolleginnen und Kollegen oder in kleinen Gruppen ins Gespräch zu gehen – besonders mit neuen oder zurückhaltenden Personen im Team.

Gesunde Snacks bereitstellen

Ein gesundes Pausenangebot zeigt Wertschätzung und unterstützt die Leistungsfähigkeit. Wasser, ungesüßter Tee, Obst, Energieriegel oder Nüsse sind ideale Alternativen zu Cola und Süßigkeiten und regen dazu an, bewusster zu pausieren.

Fazit: Gutes Pausenmanagement fördert Wohlbefinden und Produktivität

Gesundes Pausenmanagement bedeutet, bewusst Räume für Erholung zu schaffen – physisch und mental. Führungskräfte sollten dabei nicht nur gesetzliche Vorgaben erfüllen, sondern eine positive Pausenkultur etablieren. Denn regelmäßige, gut gestaltete Auszeiten steigern die Konzentration, senken das Risiko von Fehlern und Unfällen und fördern ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander. Pausen sind keine verlorene Zeit, sondern ein Gewinn – für Teams und Betriebe.

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Oleksandra Silik

Veröffentlicht am 07.08.2025

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