Es ist kalt, es ist nass, die Schmuddelwetter-Zeit ist gekommen. Unser Energiespender und Muntermacher schlechthin, die Sonne, lässt sich gefühlt über Tage nicht blicken. Die dunkle Jahreszeit schlägt vielen Menschen aufs Gemüt. Laut Experten sind Frauen dreimal häufiger von einer Winterdepression betroffen als Männer. Zudem tritt diese vermehrt um das 30. Lebensjahr auf. Im höheren Alter werden Winterdepressionen eher seltener beobachtet.
Winterdepression und Winterblues: Symptome und 10 Tipps zum Vorbeugen
Trübes, nasskaltes Wetter und wenig Sonnenlicht: Mit Beginn der dunklen Jahreszeit entwickeln manche Menschen eine Winterdepression. Doch was lässt sich tun, um dieser vorzubeugen, und wann steckt nur ein Winterblues dahinter? Wie sinnvoll ist die Einnahme von Vitamin D? Diese Tipps helfen Ihnen, depressive Verstimmungen zu vermeiden und aus dem emotionalen Tief herauszukommen.
- Was ist eine Winterdepression?
- Was sind typische Symptome einer Winterdepression?
- Unterschiede zwischen Depression, Winterdepression und Winterblues
- Winterblues: Wenn das Stimmungstief keine Krankheit ist
- Winterdepression: Wann zum Arzt?
- Winterdepression bei Kindern
- Ursachen für eine Winterdepression
- Hilft Vitamin D bei einer Winterdepression?
- Vorbeugung: 10 Tipps, die bei einer Winterdepression helfen
- FAQ: Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Winterdepression?
Bei der Winterdepression handelt es sich um eine "saisonal abhängige Depression“ oder auch "saisonale Gemütsstörung“ (englisch: „seasonal affective disorder“ (SAD)), die ausschließlich und wiederholt während der dunklen und kalten Jahreszeit – sprich im Herbst oder Winter – vorkommt. Sie ist jedoch strikt von einem temporären Stimmungstief oder dem sogenannten "Winterblues" zu unterscheiden und kann auch in abgeschwächter Form als sogenannte subsyndromale SAD (S-SAD) auftreten.
Was sind typische Symptome einer Winterdepression?
Eine Winterdepression ähnelt in der Diagnostik einer gewöhnlichen Depression, hat jedoch zwei Besonderheiten: So verspüren Betroffene des Öfteren Heißhunger-Attacken und haben als Folgeerscheinung mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Ein weiteres Merkmal sind Schlafstörungen. Bei einer Winterdepression fühlen sich Betroffene oft antriebslos, schlafen und liegen zu lange im Bett und haben generell eine zunehmende Schlafneigung.
Dennoch: Eine saisonal bedingte Depression ist meist weniger ausgeprägt und weniger häufig als andere depressive Störungen. Bei einer Häufung depressiver Erkrankungen im Winter handelt es sich nicht zwangsweise um Winterdepressionen.
Unterschiede zwischen Depression, Winterdepression und Winterblues
Wie unterscheidet sich eine Winterdepression von einer gewöhnlichen Depressionserkrankung? Und welches Stimmungsbild geht eigentlich mit einem Winterblues einher? Wir haben die Unterschiede für Sie in einer Tabelle zusammengefasst.
| Variante | Auftreten und Dauer | Symptome |
|---|---|---|
Depression |
Eine Depression kann jederzeit auftreten und für längere Zeit andauern. Sie wird zudem psychotherapeutisch und medikamentös behandelt. |
Symptome sind eine kontinuierlich depressive Stimmung, Verlust von Freude und Interessen, Antriebslosigkeit oder Müdigkeit, Schuldgefühle und vermindertes Selbstwertgefühl. |
Winterdepression |
Eine Winterdepression tritt vornehmlich in den Wintermonaten oder im Herbst auf und verschwindet bei schwacher Ausprägung von allein. |
Symptome sind ähnlich wie die einer Depression. Unterschiede sind jedoch Heißhunger-Attacken, Gewichtszunahme und erhöhte Schlafneigung. |
Winterblues |
Der Winterblues erscheint vor allem zum Jahresende und klingt meist mit Beginn des neuen Jahres aus. |
Typisch sind eine gedrückte Stimmung, weniger Antrieb, mehr Appetit auf Süßes und Mühe, morgens aus dem Bett zu kommen. Die Beschwerden sind milder als bei einer Winterdepression, der Alltag bleibt bewältigbar. |
Hier erfahren Sie Tipps gegen den Winterblues.
Winterblues: Wenn das Stimmungstief keine Krankheit ist
Der Winterblues ist keine eigenständige Diagnose, sondern eine umgangssprachliche Bezeichnung für die milde Form der saisonalen Depression (S-SAD). Fachleute schätzen, dass in unseren Breiten zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung sie kennen. Typisch sind eine gedrückte Stimmung, Appetit auf Süßes und mehr Mühe, morgens aus dem Bett zu kommen. Der Unterschied zur Winterdepression: Der Alltag bleibt weiterhin bewältigbar, und die Stimmung hebt sich zuverlässig mit Tageslicht, Bewegung oder Kontakt zu anderen. Schon ein einstündiger Spaziergang bei Tageslicht wirkt, selbst bei bedecktem Himmel.
Winterdepression: Wann zum Arzt?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die meisten Beschwerden einer Winterdepression wieder verschwinden, wenn sich der Körper an die Bedingungen im Herbst und Winter gewöhnt hat. Dauern die Symptome jedoch länger als zwei Wochen an, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, um abzuklären, ob es sich nicht doch um eine echte Depression handeln könnte, die nur in den Wintermonaten auftritt.
Denn tatsächlich kann hinter der Winterdepression eine psychische Erkrankung stecken: Belastbare Zahlen für Deutschland liegen nicht vor. In der Schweiz und in den Niederlanden waren rund zwei bis drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung von einer saisonal abhängigen Depression (SAD) betroffen. Von der milderen Form, der subsyndromalen SAD (S-SAD), sind nach Schätzungen zehn bis 20 Prozent betroffen, also deutlich mehr Personen in der Bevölkerung.
Dennoch hat diese Form der Depression einen milden Verlauf und klingt im Frühjahr wieder ab. Treten stärkere Symptome wie Erschöpfung, Angstzustände oder Konzentrationsstörungen auf, muss sie gegebenenfalls auch medikamentös behandelt werden.
Winterdepression bei Kindern
Eine Winterdepression kann nicht nur Erwachsene betreffen, sondern auch Kinder und Jugendliche. Doch eine saisonal abhängige Depression (SAD) ist bei Kindern schwer zu erkennen, da die Anzeichen variieren können. Oftmals vermuten Eltern, dass die Stimmungsschwankungen eine Reaktion auf aktuelle Ereignisse seien.
Eine typische Ursache ist der jahreszeitlich bedingte Lichtmangel, der auch bei Heranwachsenden psychische Auswirkungen haben kann. Diese äußern sich größtenteils in Interessenlosigkeit, Antriebsmangel, aber auch Gereiztheit.
Hilft Vitamin D bei einer Winterdepression?
80 bis 90 Prozent Vitamin D bildet der Körper mithilfe von UV-B-Strahlen in der Haut selbst. Bei geringer Lichtintensität an kurzen Wintertagen wird eine ausreichende Zufuhr des Vitamins daher zu einer Herausforderung. Infolgedessen greifen viele während der kalten Jahreszeit zusätzlich auf Vitamin-D-Tabletten zurück, um den Haushalt auszugleichen. Ein Einfluss von Vitamin D auf den Serotoninstoffwechsel wird diskutiert, ist aber nicht belegt.
Dennoch ist sich die Forschung unsicher, ob zusätzliches Vitamin D einer Winterdepression entgegenwirken kann. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) fand 2020 keine aussagekräftige Studie zur Behandlung der Herbst-Winter-Depression mit Vitamin D. Aussagen zu Wirksamkeit und Sicherheit sind deshalb bis heute nicht möglich.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Gibt es einen Test für die Winterdepression?
Fragebögen wie der Selbsttest der Stiftung Deutsche Depressionshilfe geben zwar erste Hinweise, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose. Von einer saisonal abhängigen Depression sprechen Fachleute erst, wenn die Beschwerden ausschließlich und wiederholt in Herbst und Winter auftreten.
Wie lange dauert eine Winterdepression?
Sie beginnt meist im Herbst, ist im November und Januar am stärksten und klingt im Frühjahr von selbst wieder ab. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen durchgehend an, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Welche Medikamente helfen bei einer Winterdepression?
Die Nationale VersorgungsLeitlinie nennt für depressive Episoden mit saisonalem Muster die Lichttherapie oder ein Antidepressivum aus der Gruppe der SSRI als erste Wahl. Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und gehören in ärztliche Hand.
Übernimmt die Krankenkasse eine Lichttherapie?
In der Arztpraxis ist die Lichttherapie eine individuelle Gesundheitsleistung, die Betroffene selbst zahlen. Psychotherapie und medikamentöse Behandlung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse je nach Schweregrad der Erkrankung.
Hilft ein Solarium gegen die Winterdepression?
Nein, die Lichttherapie wirkt über sichtbares Licht und das Auge, Solarien dagegen über UV-Strahlung auf der Haut. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät wegen des Hautkrebsrisikos ausdrücklich von Solarienbesuchen ab.
Hinweis: Die Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung. Wenn Sie sich über mehrere Wochen niedergeschlagen fühlen, sprechen Sie bitte ärztlich darüber. Das Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erreichen Sie kostenfrei unter 0800 3344533, die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 1110111.