Ob Sommerhitze, nervenaufreibender Vortrag oder anstrengendes Work-out: Im Alltag bringt uns so einiges ins Schwitzen. Nasse Flecken unter den Achseln können zwar ganz schön nerven, aber im Grunde sind sie eine geniale Reaktion des Körpers: Das Schwitzen verhindert nämlich, dass wir überhitzen. Die zwei Millionen Schweißdrüsen, die jeder Mensch in etwa besitzt, sondern Wasser ab. Verdunstet es auf der Hautoberfläche, entsteht sogenannte Verdunstungskälte und entzieht den in der Haut liegenden Blutgefäßen die überschüssige Wärme – die Temperatur sinkt.
Nachtschweiß: Ursachen, was Sie dagegen tun können und wann Sie zum Arzt sollten
Jeder Mensch schwitzt nachts. Wer aber ständig völlig durchnässt aufwacht, dem raubt das nächtliche Schwitzen den Schlaf. Welche Ursachen stecken dahinter? Und was kann man dagegen tun?
Was ist Nachtschweiß?
Im Schlaf zu schwitzen, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Eine hohe Raumtemperatur, eine zu warme Bettdecke, Schlafkleidung aus wenig atmungsaktiven Materialien, scharfes Essen oder Alkohol können die Schweißproduktion vorübergehend verstärken.
Ab wann spricht man von Nachtschweiß?
Von Nachtschweiß spricht man, wenn Betroffene nachts wiederholt stark schwitzen, obwohl das Schlafzimmer nicht zu warm ist. Häufig sind Schlafanzug und Bettwäsche so durchnässt, dass sie gewechselt werden müssen. Tritt dies regelmäßig auf oder kommen Beschwerden wie Fieber, Gewichtsverlust oder Erschöpfung hinzu, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Was ist nächtliche Hyperhidrose?
Nächtliche Hyperhidrose bezeichnet übermäßiges Schwitzen im Schlaf. Dabei produziert der Körper mehr Schweiß, als für die Regulierung der Körpertemperatur erforderlich wäre. Sie kann ohne erkennbare Ursache auftreten oder Begleiterscheinung einer Erkrankung beziehungsweise Nebenwirkung von Medikamenten sein.
Warum schwitzt man nachts? Ursachen für Nachtschweiß
Auch im Schlaf reguliert der Körper seine Temperatur. Wird ihm zu warm, gibt er über die Haut Schweiß ab. Gelegentliches nächtliches Schwitzen ist deshalb meist harmlos. Häufig liegt es an einem zu warmen Schlafzimmer, einer dicken Bettdecke oder wenig atmungsaktiver Schlafkleidung. Auch scharfes Essen, Alkohol oder andere Substanzen können den Stoffwechsel anregen, die Gefäße erweitern und die Schweißbildung verstärken.
Tritt das Schwitzen regelmäßig und unabhängig von der Umgebungstemperatur auf, können weitere Ursachen dahinterstecken. In den Wechseljahren führen hormonelle Veränderungen häufig zu Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Auch eine nächtliche Unterzuckerung, etwa bei Menschen mit Diabetes, kann starkes Schwitzen auslösen. Darüber hinaus kommt Nachtschweiß als Nebenwirkung bestimmter Medikamente vor. Dazu gehören beispielsweise einige Antidepressiva, fiebersenkende Mittel und Hormonpräparate.
Auch Angst, anhaltender Stress und andere psychische Belastungen können das vegetative Nervensystem aktivieren und die Schweißproduktion erhöhen. Bei manchen Menschen sind die Schweißdrüsen ohne erkennbare Ursache überaktiv. Mediziner sprechen dann von einer primären oder idiopathischen Hyperhidrose; häufig schwitzen Betroffene auch tagsüber verstärkt.
Wer schweißgebadet aufwacht und Schlafanzug oder Bettwäsche wechseln muss, schläft meist unruhiger. Wiederholt sich dies mehrmals pro Nacht, können am nächsten Morgen Müdigkeit, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme die Folge sein. Bei harmlosen Auslösern helfen oft schon ein kühleres Schlafzimmer, leichtere Bettwäsche sowie der Verzicht auf Alkohol, andere Substanzen und scharfe Speisen am Abend. Anhaltender oder sehr starker Nachtschweiß sollte dagegen ärztlich abgeklärt werden.
Nachtschweiß durch Stress und Psyche
Wer kennt es nicht: Sind wir nervös, zum Beispiel bei einem wichtigen Geschäftstermin, zieren plötzlich unschöne Schweißflecken das Outfit. Auch während des Schlafens können Stress, innere Unruhe, seelische Erschöpfung oder Ängste für Schweißausbrüche sorgen.
Bei Menschen, die ihre Sorgen mit ins Bett nehmen, arbeitet der sympathische Teil des vegetativen Nervensystems, der viele unwillkürlich ablaufende Körperfunktionen regelt, weiter auf Hochtouren: Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin werden vermehrt ausgeschüttet und beschleunigen den Herzschlag. Die Blutgefäße in der Haut weiten sich und der Schweiß fließt in Strömen.
Nachtschweiß in Schwangerschaft und Wechseljahren
Während der Schwangerschaft kann Nachtschweiß insbesondere ab dem zweiten Drittel häufiger auftreten. Ursache sind meist hormonelle Veränderungen sowie der gesteigerte Stoffwechsel. Dadurch kann die Körpertemperatur leicht ansteigen und die Schweißproduktion zunehmen.
Da sich der Körper während der Schwangerschaft stark verändert, lässt sich hormonell bedingter Nachtschweiß häufig nicht vollständig vermeiden. Neben den oben genannten Tipps können leichte, atmungsaktive Schlafkleidung und ausreichend Flüssigkeit helfen.
Vorsicht ist bei pflanzlichen Mitteln und hoch dosierten Präparaten mit Inhaltsstoffen wie Salbei, Zimt oder Ingwer geboten. Besprechen Sie deren Anwendung und Dosierung am besten mit Ihrer Hebamme, Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Gynäkologin.
Auch in den Wechseljahren gehört Nachtschweiß zu den häufigen Beschwerden. Durch die hormonelle Umstellung kann die körpereigene Temperaturregulation zeitweise aus dem Gleichgewicht geraten. Typisch sind plötzlich einsetzende Hitzewallungen und Schweißausbrüche, auf die mitunter Frösteln folgt. Werden Schlaf und Alltag stark beeinträchtigt, können Frauen mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über geeignete Behandlungen sprechen. Neu auftretender, sehr starker oder anhaltender Nachtschweiß sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden, da auch andere Ursachen dahinterstecken können.
Wann sollte man mit Nachtschweiß zum Arzt?
In der Regel lassen sich für Nachtschweiß harmlose Ursachen finden. Halten die nächtlichen Schweißausbrüche jedoch trotz Gegenmaßnahmen länger als drei bis vier Wochen an, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig, um auszuschließen, dass nicht vielleicht doch eine medizinische Ursache dahintersteckt – vor allem dann, wenn begleitende Symptome wie Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, Schmerzen oder ein Gefühl der Abgeschlagenheit hinzukommen.
Denn: Nächtliche Schweißausbrüche über einen längeren Zeitraum können auf einen akuten Infekt oder eine chronische Infektionskrankheit hinweisen. Auch Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, hormonelle Schwankungen, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus führen oft zu starkem Schwitzen. In seltenen Fällen stellen sich auch Krebsleiden wie Leukämie als Auslöser heraus.
Nicht zuletzt kann Nachtschweiß auch eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente sein. Dazu zählen insbesondere Antidepressiva und fieber- oder blutdrucksenkende Mittel. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Oft lässt sich durch eine Veränderung der Dosis oder die Verordnung eines anderen Präparats Abhilfe schaffen, sodass Sie wieder erfrischt aufwachen können.
FAQ
Warum schwitze ich nachts besonders am Kopf und Nacken?
Kopf, Gesicht und Nacken gehören zu den Körperregionen, an denen Schweiß häufig besonders auffällt. Zudem stauen sich Wärme und Feuchtigkeit am Kopfkissen. Auch hormonell bedingte Hitzewallungen betreffen oft Gesicht, Hals und Oberkörper. Die Stelle allein lässt jedoch keine Rückschlüsse auf die Ursache zu.
Was bedeutet kalter Nachtschweiß?
Als kalten Schweiß bezeichnet man feuchte, zugleich kühl wirkende Haut. Das kann entstehen, wenn Schweiß verdunstet und den Körper abkühlt, beispielsweise nach einer nächtlichen Hitzewallung. Plötzlich auftretender kalter Schweiß kann aber auch eine Reaktion auf starke Schmerzen, Kreislaufprobleme oder Unterzuckerung sein. Kommen Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder starke Schwäche hinzu, sollte sofort medizinische Hilfe gerufen werden.
Kann Nachtschweiß durch Medikamente entstehen?
Ja. Nächtliches Schwitzen kann unter anderem als Nebenwirkung bestimmter Antidepressiva, Kortisonpräparate, Schmerzmittel, Hormonpräparate oder blutzuckersenkender Medikamente auftreten. Auch eine Veränderung der Dosierung oder das Absetzen eines Medikaments kann eine Rolle spielen. Betroffene sollten das Präparat jedoch nicht eigenmächtig absetzen, sondern sich ärztlich oder in der Apotheke beraten lassen.
Ist Nachtschweiß nach der Geburt normal?
Starkes Schwitzen in den ersten Wochen nach der Geburt ist meist normal. Verantwortlich sind vor allem die hormonelle Umstellung und der Abbau der während der Schwangerschaft eingelagerten Flüssigkeit. Beim Stillen kann der Nachtschweiß länger anhalten, weil der Östrogenspiegel zunächst niedrig bleibt. Treten zusätzlich Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl auf, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.
Welche Bettwäsche eignet sich bei starkem Schwitzen nachts?
Gut geeignet ist leichte, atmungsaktive und feuchtigkeitsregulierende Bettwäsche, beispielsweise aus Baumwolle oder Leinen. Mehrere dünne Decken oder Lagen lassen sich bei Bedarf leichter anpassen als eine dicke Bettdecke. Auch Schlafkleidung und Matratzenauflagen sollten atmungsaktiv und gut waschbar sein. Entscheidend ist außerdem ein eher kühles, gut gelüftetes Schlafzimmer.
Kann Unterzuckerung nächtliche Schweißausbrüche auslösen?
Ja. Eine nächtliche Unterzuckerung kann starkes Schwitzen, Herzklopfen, Zittern, Unruhe oder Albträume verursachen. Am Morgen können Kopfschmerzen, Müdigkeit oder ein ungewöhnlich hoher Blutzuckerwert auffallen. Betroffen sind vor allem Menschen mit Diabetes, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente verwenden. Wiederholte nächtliche Unterzuckerungen sollten mit dem behandelnden Diabetes-Team besprochen werden, damit die Therapie angepasst werden kann.